Türgeflüster

Was gibt es Neues im Romantik Hotel Reichshof? Alle Neuigkeiten rund um unser Haus können Sie in unserem Blog nachlesen, zudem können Sie hier verfolgen, welche Events und Veranstaltungen anstehen.

Hotel | 07.07.2020

Wenn man von Norden nach Leer aufbricht und dabei die Autobahn meidet, landet man kurz vor dem Ziel auf der Deichstraße. Hier offenbart Ostfriesland für einen kurzen Moment ein ganz typisches Bild - weidende Schafe auf einem Deich in Wassernähe. An das Thema Wein ist hier eigentlich nicht zu denken.

Dennoch hat die Stadt Leer echte Weintradition zu bieten. Im geschichtsträchtigen Haus Samson in der Rathausstraße ist das Unternehmen Wein Wolff beheimatet, hier führt Jan Wolff die Geschicke der Firma aktuell in der bereits siebten Generation. Wir haben uns mit dem 42-Jährigen, einem langjährigen Lieferanten, Freund und Destillateur unseres WATER Gins, über Weine, Geschichte und eigene Vorlieben unterhalten.

Herr Wolff, in Ihrer Weinhandlung beraten Sie täglich zahlreiche Weinfreunde und sprechen dabei Empfehlungen für die verschiedensten Anlässe aus. Doch wie sieht es eigentlich mit Ihren persönlichen Wein-Vorlieben aus? Haben Sie aktuell einen Favoriten?

Jan Wolff: „Mein persönlicher Favorit ist die Rebsorte Spätburgunder. Diese Weine sind sehr komplex, bringen viel Frucht und eine unglaubliche Eleganz mit. Zwar habe ich lange gebraucht, um diese Weine zu verstehen, aber jetzt kann ich auf Spätburgunder nicht mehr verzichten. Einen einzigen Wein zu benennen, ist jedoch schwierig.“

Spätburgunder ist nur eine von 10.000 verschiedenen Rebsorten, die es laut Statistik weltweit gibt. Davon sind ca. 2.500 für den Weinbau offiziell zugelassen. Wie schaffen Sie es, dabei den Überblick zu behalten und beispielsweise aktuelle Trends nicht zu verpassen?

Wolff: „Man muss viele Weine probieren und die Augen stets offenhalten. Wir informieren uns in persönlichen Gesprächen mit den einzelnen Winzern und besuchen Messen. Natürlich lesen wir aber auch sehr viel nach und tauschen uns mit Kollegen aus. Das Schöne ist, dass die Weinbranche durch diese Dynamik spannend bleibt und mit jedem neuen Jahrgang die Karten förmlich neu gemischt werden.“

Weine sind jedoch nur eine Karte, die Sie spielen. Sie führen zudem auch Spirituosen in Ihrem Sortiment, darunter auch friesische Spezialitäten. Diese haben Sie in Eigenregie auf den Markt gebracht. Wie ist es zu dieser Idee gekommen?

Wolff: „Der FREEsia Gin ist tatsächlich aus meiner persönlichen Vorliebe entstanden. Da ich nicht nur gelernter Sommelier bin, sondern auch eine Destillateur-Ausbildung abgeschlossen habe, hat mich das Thema Gin immer interessiert. Daher destilliere ich beispielsweise auch den hoteleigenen WATER Nörder Dry Gin, der in der Bar-Lounge Wolbergs entstanden ist. Mein eigener FREEsia Gin ist gut angekommen, sodass es mich motiviert hat, weitere Spezialitäten zu entwickeln. So ist dann auch der als bester Fruchtlikör Deutschlands ausgezeichnete Likör FREEsia Birne mit Whiskey entstanden.“

Ihr Unternehmen Wein Wolff gibt es seit 1800, Sie führen die Geschicke aktuell in der 7. Generation vor. Fragen Sie sich eigentlich manchmal, bevor Sie eine Entscheidung treffen, wie die vorherigen Generationen entschieden hätten?

Wolff: „Es ist eine große Verantwortung, die Firma aktuell in der mittlerweile siebten Generation zu führen – keine Frage. Dennoch müssen wir im Hier und Heute bestehen. Für mich steht tatsächlich nicht die Frage, was die Generation vor mir getan hat, im Vordergrund, viel mehr beschäftige ich mich mit der Überlegung, was die Generation nach mir zu meinen Entscheidungen sagen wird. Danach richte ich mein gesamtes Handeln aus.“

Seit 2004 sind Sie im Unternehmen aktiv. Können Sie sich noch an den Moment erinnern, als Ihr Onkel Sie gefragt hat, ob Sie das Unternehmen fortführen möchten?

Wolff: „Ich möchte ehrlich sein. Direkt nach dem Abitur befand ich mich noch in einer Findungsphase und war sehr dankbar und gleichzeitig froh, eine Richtung vorgegeben zu bekommen. Natürlich war es eine große Aufgabe, sodass ich tatsächlich zu Beginn auch etwas nervös war. Trotzdem habe ich mich auf die kommende Zeit gefreut.“

Wie hat sich rückblickend der Wein- und Spirituosenmarkt in den vergangenen 16 Jahren verändert?

Wolff: „Es gibt klassische Spirituosen, wie beispielsweise Korn und Kräuterschnaps, die hier in Ostfriesland an Beliebtheit verloren haben. Dafür hat jedoch der Weinkonsum stark zugenommen, auch bei uns an der Küste – in einer nicht für Wein bekannten Region. Der Schwerpunkt bei uns hat sich von den Spirituosen hin zum Wein bewegt.“

Ihr Großvater Claas Wolff hat sich einst mit den Worten „Ihr seid geprägt in eurer Persönlichkeit durch eure Vorfahren und den Werten, die sie vermittelt haben, von Generation zu Generation weitergegeben“ zum Thema Tradition geäußert. Wie stehen Sie zu diesem Thema?

Wolff: „Ich sehe dies ähnlich wie mein Großvater. Da ich jetzt auch selbst Vater bin, versuche ich meinen Kindern ein gutes Vorbild zu sein. In dieser Hinsicht habe ich mich an meinen Eltern orientiert und somit deren Werte übernommen.“

Die Geschichte Ihres Unternehmens ist beeindruckend, der Standort Ihres Stammhauses in Leer im „Haus Samson“ könnte zudem passender nicht sein. Was zeichnet das Haus aus und wo halten Sie sich hier am Liebsten auf?

Wolff: „Wir sind sehr stolz darauf, unseren Firmensitz im Haus Samson zu haben. Das Museum in unserem Haus wird jährlich von vielen Touristen besucht und bestaunt. Wenn man täglich in ein so schönes und geschichtsträchtiges Büro kommt, rückt dieser Umstand etwas in den Hintergrund. Dennoch empfinde ich es als ein Privileg, in einem solchen Umfeld arbeiten zu dürfen.“

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